Lebensmittel retten

Gute Lebensmittel landen jeden Tag im Müll.

Ich schreibe über die Hintergründe, immer mehr Verschwendung und blinden Konsum.

Fang an aufzuhören!

Dear you,

in letzter Zeit habe ich mich intensiver mit dem Thema Lebensmittel-Verschwendung auseinander gesetzt. Nun möchte ich mich in der heutigen Sonntagspost mit dir drüber austauschen. Als Einstieg habe ich eine These aufgestellt: Unser Kaufverhalten wird maßgeblich dadurch geprägt, dass wir nicht mehr den Besitz, sondern den Kauf bzw. Konsum von einem Gut begehren. Anschließend teile ich mit dir meine Überlegungen, was man persönlich dieser Entwicklung entgegenstellen kann und was andere bereits dagegen tun. Drei Ansätze habe ich gefunden, die ich dir zeigen will: Mehr Achtsamkeit, Containern und die Too Good To Go App. Wie immer ist die Post nur als ein Gedankenanstoß gedacht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ich bin daher gespannt auf deinen Input und freue mich auf interessante Kommentare.

Wieder bewusst einkaufen

Du, wenn du diesen Blog über ein digitales Endgerät lesen und über das Internet Zugang dazu erhalten kannst, bist Teil einer Konsumgesellschaft. Etwas zu kaufen, nachdem man zuvor den Wunsch danach verspürte (egal ob aus einem selbst heraus oder durch Werbung erweckt), kann positive Gefühle der Erleichterung und Entspannung auslösen.

Leider halten diese Gefühle oft nicht lange an, manchmal weichen sie sogar sofort dem nächsten Kaufwunsch. Der Grund dafür ist, dass das Begehren nicht im Produkt selbst verankert ist, sondern wir begehren den Kaufprozess desselbigen. Denn wir brauchen eigentlich nicht wirklich dringend ein weiteres Shirt oder nicht mal unbedingt dieses bestimmte Brot. Wir könnten uns sicher sein, in jeder Minute, an jeder Straßenecke, auch ein Shirt oder Brot zu finden und es mit wenig (direktem) Aufwand zu bekommen.

So viele Dinge besitzen wir schon und die Möglichkeit den eigenen Besitz noch weiter zu steigern wartet zumindest in Städten überall. Dazu kommt, dass unsere Arbeit nicht mehr direkt mit dem Konsum verknüpft ist, wir also für das Brot beispielsweise nicht zunächst selbst Getreide anbauen, Mehl mahlen und backen müssen. Die Konsumbarrieren sind so niedrig, sie sind kaum mehr spürbar. Sogar Geld, das ja selbst schon ein Medium ist, spielt in der kurzfristigen Denkweise der Konsumgesellschaft keine Rolle mehr, gibt es doch genügend Kreditangebote um sich das neueste Smartphone easy finanzieren zu können.

Wenn wir dann etwas gekauft haben, erlischt das Interesse oft sehr schnell. Das Produkt, das wir in den Händen halten, ist nicht länger neu, glänzend und makellos. Es wird nicht mehr auf unglaublich perfekten Instagram-Fotos oder in Schaufensterläden zur Schau gestellt, sondern liegt plötzlich real bei uns Zuhause herum. Die Spannung ist irgendwie weg. Die Jagd ist beendet. Ich glaube an diesem Punk können wir als Begründungsthese tatsächlich auf alte Denkmechanismen zurückgreifen, die schon seit der Jäger- und Sammlerzeit in unseren Gehirnen verankert sind. Der Jagdtrieb ist immer noch vorhanden, aber anders als vor tausenden von Jahren ist die Not nicht mehr da.

Das Sicherheitsbedürfnis treibt uns in das Anhäufen von Besitztümern, doch die Zugänglichkeit zu all diesen Schätzen reißt niemals ab. Höchstens mal an einem Feiertag, oder, wie zu Beginn der Corona-Pandemie, bei Problemen in der Lieferkette. Und man hat gesehen wie panisch die Leute plötzlich wurden. Ich glaube das ist auch mit ein Grund, warum Menschen die auf dem Land leben, ihrem Besitz tendenziell mehr Wertschätzung entgegen bringen.

Lebensmittel sind kostbar

Wie kann man nun lernen, wieder mit mehr Achtsamkeit und Wertschätzung einzukaufen? Spontankäufe sind ein großer Teil des Problems. Als Kind musste man lange für ein Spielzeug oder eine Süßigkeit Geld sparen und eine Zeit lang auf Konsum verzichten. Hat man dann etwas gekauft, oder es geschenkt bekommen, war man sehr lange froh und hat sich dem Genuss hingegeben, ohne an das nächste Ding zu denken, das man kaufen könnte. Das war zumindest bei mir früher so.

Eine bewusste Abstinenz ruft den Mangel künstlich hervor, den es durch unseren gesellschaftlichen Wohlstand heute kaum mehr gibt. Du kannst dich bewusst dazu entscheiden eine Zeit lang zu verzichten. Ohne zu übertreiben natürlich, denn jedes Extrem ist ungesund. Aber wenn du etwas nicht sofort, sondern erst später kaufst, vielleicht um dich für etwas zu belohnen oder aus einem anderen Anlass heraus, hält auch die Dankbarkeit länger an. Außerdem kannst du dich natürlich vor jedem Kauf fragen, ob du das Produkt wirklich brauchst, wenn ja wofür und wie glücklich dich nicht der Kauf, sondern der Besitz machen würde.

Beobachte dich und dein Kaufverhalten. Welche Werbestrategien führen immer wieder dazu, dass du Dinge kaufst, denen du hinterher keine Beachtung mehr schenkst? Welche Gefühle erhoffst du dir von Kaufentscheidungen? Kannst du diese Bedürfnisse nicht auch anders befriedigen, zum Beispiel in dem du dich in der Natur aufhältst oder mit Freunden Wertschätzung austauschst? Und vielleicht schaffst du es auch deinen „alten“ Sachen wieder Dankbarkeit entgegen zu bringen, indem du sie neu entdeckst.

Aus Alt mach Neu

Weißt du, wie ich auf das Thema für die heutige Sonntagspost gekommen bin? Ich habe den weißen Teil der Wassermelonenschale in einer Smoothie Bowl verarbeitet die ich zum Frühstück gegessen habe. Zuvor habe ich irgendwo gelesen, dass die Schale viele gesunde Inhaltsstoffe enthält. Und dieser „Müll“ hatte genau den selben Effekt im Smoothie wie eine Gurke oder so. Der Punkt ist, dass wir Lebensmittel oft zu Müll machen, indem wir sie einfach als solchen definieren.

Ich habe früher auch mal eine Zeit lang das weiße Innere von Bananenschalen zusammen mit der Banane in meinem Porridge verarbeitet, was geschmacklich überhaupt keinen Unterschied gemacht hat. Momentan esse ich weniger Bananen, aber wenn ich mir Nicecream mache, geht dieser Teil der Banane immer mit ins Kühlfach. Er ist nicht giftig, im Gegenteil sogar voller Ballaststoffe und Antioxydanzien und kann noch super in solchen Rezepten verarbeitet werden.

Genauso ist es mit der Schale von ungespritzten Zitronen, den Blättern von Radieschen und dem Grün von Karotten. Diese Liste könnte ich noch endlos weiter führen. Vieles was im Müll landet kann noch super in Pestos, Suppen, Brühe, klein püriert, gerieben oder wie Salat bzw. Gartenkräuter eingesetzt werden. Nur weil wir es uns leisten können, muss man bestimmte Teile einer Pflanze nicht verteufeln und kategorisch wegschmeißen. Dass der Grundsatz „aus Alt mach Neu“ natürlich auch für Kleidung, Möbel etc. gilt, will ich hier nicht weiter ausführen. Es gibt bereits sehr viele Quellen dazu im Internet.

Gehört das wirklich in den Müll?

Vieles wird natürlich auch entsorgt, weil es wirklich schlecht geworden ist. Das Problem hier liegt in der Organisation des eigenen Einkaufs und Verbrauchs. Aber warum Leute Essen weg schmeißen, nur weil das MHD abgelaufen ist, ohne vorher auch nur einen Blick auf das Lebensmittel zu werfen, habe ich nie verstanden. Essen ist nicht von ein auf den anderen Tag plötzlich schlecht. MHD steht für Mindesthaltbarkeitsdatum. Einen Joghurt weg zu schmeißen, weil das MHD abgelaufen ist, ist als ob man keine Nüsse mag und deshalb Produkte meidet auf denen steht „kann Spuren von Nüssen enthalten“. Merkste selbst?

Soll heißen: Das MHD ist eine Orientierungshilfe und in erster Linie eine Absicherung seitens des Herstellers. Aber in den meisten Fällen können Produkte noch viele Tage nach Ablauf bedenkenlos genossen werden. Und um festzustellen, ob das so ist, kann man sich das Lebensmittel ja einfach mal anschauen, dran riechen und dann probieren. Du wirst schon merken, wenn es schlecht ist. Man muss auch nicht den ganzen Apfel in den Müll geben, wegen einer kleinen braunen Stelle. Ich habe das Gefühl, dass oft auch einfach die Bequemlichkeit der Leute siegt.

Wenn man diesen Gedankengang konsequent weiter verfolgt, kommt man irgendwann beim Containern an. Eine Rebellion, die jeder und jede individuell gegen das Wegschmeißen von Lebensmitteln führen kann, denn sich aus Müllcontainern zu bedienen ist rechtlich gesehen illegal. Da ich hier leider noch nicht aus eigenen Erfahrungen berichten kann, lasse ich zu diesem Thema den YouTube Kanal Tonnentaucherwelpe zu Wort kommen.

Lösungsansätze gegen die Wegwerf-Gesellschaft

Das individuelle Verhalten ist ein wichtiges Standbein im Kampf gegen Lebensmittel-Verschwendung. Auf der anderen Seite stehen gesamtgesellschaftliche Lösungsansätze. Ich habe beispielsweise vor einigen Tagen zum ersten Mal die App von Too Good To Go ausprobiert und war sehr begeistert (unbezahlte Werbung).

Das Unternehmen ermöglicht es Geschäften ihre übrig gebliebenen Produkte weiter zu verkaufen statt sie in die Tonne zu hauen. Es schafft also eine Verbindungsbrücke zwischen den Geschäften bzw. ihrem „zu Viel“ an Lebensmitteln und den Leuten, die diese noch gut gebrauchen können. Als Kundin habe ich in meinem Fall einen Haufen geiler Backwaren bekommen, für die ich gerade mal drei Euro ganz bequem in der App über Paypal bezahlt habe. Hier in der Gegend bieten neben vielen Bäckereien auch Tankstellen oder Super- und Biomärkte Lebensmittel mit kurzem MHD, oder die nicht über den normalen Verkauf weg gegangen sind, an.

Too Good To Go ist also quasi eine legale Alternative zum Containern und macht sowohl Konsumierende als auch Unternehmen auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam und realisiert gleichzeitig eine Lösung dagegen. Tolle Sache.

Die Too Good To Go App ist eine Maßnahme um Lebensmittel zu retten.
Quelle: Too Good To Go

Das waren meine Gedanken zum Thema Verschwendung. Jetzt bin ich gespannt auf deine Ideen. Was unternimmst du, um Dinge weiter zu verwerten, Lebensmittel zu retten, deinen Konsum achtsamer zu gestalten? Hinterlass uns allen deine Tipps in den Kommentaren oder schreibe mir direkt über Instagram oder per Mail. Je mehr Menschen sich äußern, umso mehr Wahrheiten kommen zusammen. Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag.

Love, Julia

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