500 Kilometer in 6 Tagen

Der Weg ist das Ziel

Dear you,

die Herausforderung beim Schreiben ist es oft die Emotionen möglichst realistisch rüber zu bringen. Mal sehen wie das jetzt klappt. Trotzdem habe ich das Bedürfnis dir von den unglaublichen Erfahrung zu schreiben, die ich während der vergangenen 6 Tage auf dem Fahrradsattel machen durfte. Eine Tour, an die ich mich mein Leben lang zurück erinnern werde.

Pure Freiheit

Es hat sich schon zu einer richtigen Tradition gemausert, dass ich zusammen mit meinem Papa und einigen seiner Arbeitskollegen einmal im Jahr eine Fahrradtour mache. Darüber habe ich schon mal in einer älteren Sonntagspost geschrieben. Trotzdem ist jede Tour wieder mit neuen Emotionen und Erfahrungen verbunden. Ich weiß bis heute nicht, was genau mich jedes mal wieder so packt, denn es gibt eigentlich auch immer genug Tiefs. Trotzdem möchte ich keine Sekunde missen. Außerdem war dies die längste Tour, die wir bis jetzt gemacht haben. Ein Teil von mir ist ehrlich gesagt ziemlich traurig wieder in den alten Trott zurück kehren zu müssen. Von mir aus hätten wir noch den ganzen Sommer weiter fahren können. Ich eine bessere Flucht aus dem Alltagsstress kann ich mir nicht vorstellen.

Dienstag, 22.Mai

Diesmal sind wir, statt den Zug für die Rückreise zu nehmen, bereits mit der Zugfahrt gestartet. Ziel war das Ruhrgebiet, bzw. der Rand des Ruhrgebiets. Die erste Nacht ist in der Jugendherberge am Möhnesee schon gebucht (übrigens die einzige Übernachtung die fest steht). Von dort gehts dann mit dem Fahrrad zurück nach Hause. Wir sind alle nach den gut 4 Stunden ICE ziemlich mühselig. Es war übrigens das erste Mal, dass ich mit dem ICE gefahren bin und hatte mir das ganze irgendwie komfortabler vorgestellt. Egal, bei allen überwiegt die Vorfreude und wir blicken mit glänzenden Augen und Speichen den kommenden Tagen entgegen.

Außer mir transportieren alle ihr Gepäck in zwei großen wasserdichten Fahrradtaschen die seitlich am Gepäckträger montiert sind. Da ich an meinem Mountainbike kein Gepäckträger habe, muss wieder mein Rucksack für Proviant, Klamotten und Waschzeug herhalten. Es wird Gewicht gespart, wo immer es geht, schließlich muss ich das ganze Zeug eine Woche mit rum schleppen. Da ich als Veganerin jedoch irgendwie gucken muss, was ich spontan zu Essen bekomme, besteht über die Hälfte meines Gepäcks aus Essen.

Als wir am Bahnhof ankommen, merken wir, dass wir das gute Wetter diesmal zuhause gelassen haben. Es ist grau und regnerisch. Auf den Weg zur Jugendherberge machen wir eine kurze Pause um Soest („Sost“ nicht „Söst“) zu besuchen und hinterher fängt es ziemlich an zu regnen. Die ersten 20 km werden also von Regenjacken und überfahrenen Nacktschnecken begleitet. Die Herberge ist das rettende Ziel. Abends suchen wir uns einen Italiener in der Innenstadt, der Pizza auch ohne Käse super hinkriegt und sogar die Sonne lässt sich noch kurz blicken. So neigt sich der erste Abend dem Ende zu.

Mittwoch, 23. Mai

Heute ist der erste richtige Tag, die Tour geht los. Ziel ist Zuhause, doch ohne Stress und Leistungsdruck. Bis Sonntag haben wir Zeit und wollen einfach gucken wie weit wir kommen. Nach dem Frühstück in der Jugendherberge geht es los. Wir kommen am Staudamm des Möhnesees vorbei, was wirklich ein beeindruckendes Bauwerk ist. Grob wollen wir am Dortmund-Ems-Kanal und Mittellandkanal entlang Richtung Weser und dann immer weiter gen Norden.

Das Wetter ist immer noch regnerisch und windig, nur hin und wieder scheint die Sonne. Zugegeben, ich frage mich in dem Augenblick, warum ich die letzten Touren immer so viel Spaß hatte. Lag es am besseren Wetter, oder an der schöneren Landschaft? Es ist ziemlich bergig hier. Die Steigungen sind kräftezehrend. Aber das Motto ist: Es geht immer weiter. Immer weiter. Zurück und aufgeben steht überhaupt nicht zur Debatte. Doch jeder Kilometer kostet mich Motivation. Als Orientierungshilfen dienen uns Google Maps, ein Fahrrad-Navi, gegebenenfalls die Ausschilderung der Radwege und nette Leute die uns weiter helfen. Ich eher introvertierter Mensch werde fast zwangsläufig aus meinem Schneckenhaus gelockt und von der Offenheit meiner Begleiter angesteckt. Ich glaube wir haben jedem entgegenkommenden Radfahrer und Fußgänger mindestens ein munteres „Moin“ zugerufen. Aber die Freundlichkeit bekommt man meistens auch zurück.

Wir kommen durch kleine Dörfer und Landstraßen, durch Wälder und Städte. Hin und wider machen wir Pausen. Ich bin glücklich über jedes Klo, das ich erwischen kann, meistens beim Dorfbäcker. Aber viel Zivilisation gibt es an diesem Tag nicht, vor allem Natur, Felder, Wiesen. Als Ziel für den heutigen Tag kristallisiert sich Münster heraus, dort in der Nähe wollen wir uns eine Unterkunft suchen. Auf den letzten Kilometern müssen wir einen sehr unbequemen Schotterweg fahren und dann verlieren Papa und ich auch noch die Gruppe. Am Ende des Tages sind wir alle froh, wieder gemeinsam in Hiltup ein kleines Hotel mit Biergarten als Schlafplatz zu finden. Und der Blick auf den Tacho zeigt 100km am ersten Tag! Es war ein ziemlicher Kampf, aber der warme Abend mit gutem Essen und selbstverständlich Belohnungsbier für die Männer würde sonst nur halb so gut schmecken.

Während ich so schreibe, merke ich, dass ich den Bericht wohl in mehrere Blogposts aufteilen sollte, da er sonst viel zu lang werden würde. Ich schreibe lieber etwas detaillierter, damit du dir in deinen Gedanken ein lebendiges Bild erschaffen kannst. Trotzdem muss ich natürlich kürzen, um die Tour überhaupt in einem Beitrag verpacken zu können. Wie die nächsten Tage gelaufen sind, erfährst du dann in den nächsten Teilen. Wenn dich dieser Beitrag interessiert hat, schreibe mir gerne ein Kommentar und sag mir auch, auf was ich noch näher eingehen soll. Möchtest du zum Beispiel wissen, was genau ich auf der Tour vegan gegessen habe? Ich lasse mich gerne von dir inspirieren. Bis dahin!

Love, Julia

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Wie man sich selbst belohnt und motiviert: https://postvonjulia.de/sich-selbst-belohnen

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