Tag 5 & 6 des Radtour-Tagebuchs

Die letzten Tage unserer Fahrrad-Tour: Bier in der Sonne und Pizza beim Italiener

Dear you,

ich sitze hier gerade an einem grauen Tag herum, snacke getrocknete Aprikosen und denke an die letzten Tage unserer Tour, die jetzt schon einen Monat zurück liegt. Eine schöne Erinnerung ist immer ein Anker im Alltag. Deshalb teile ich sie mit dir. Im letzten Teil habe ich dir erzählt, wie ich aus meinem Tief raus gekommen bin. Ab Tag 4 habe ich die Fahrrad-Tour richtig genossen. Jetzt geht es also weiter mit meinen Erlebnissen an Tag 5 und 6.

Samstag, 25. Mai

Heute morgen starten wir aus Petershagen direkt an der Weser. Schon früh am Morgen spürt man, dass es ein heißer Tag wird. Eins kann ich dir sagen: Wenn man im Durchschnitt 100 Kilometer am Tag mit dem Fahrrad zurück legt, verschiebt sich das Gefühl für Entfernungen extrem. Du bist dann so … „Geil! Nur noch 20 Kilometer. Fast schon angekommen“, während das im Alltag eine Tour für sich wäre.

Jedenfalls haben sich die anfänglichen Probleme mit Radwegen, Wetter und Herbergen in Luft aufgelöst. Es ist fast zu schön um wahr zu sein. Wir schwitzen und fahren, schwitzen und fahren. Die pralle Sonne senkt sich nieder und bräunt uns wie Seefahrer. Die Landschaft ist viel karges, trockenes Hinterland, bräunliche Gräser, die Deiche der Weser, Büsche am Wegesrand spenden uns Schatten. Wir kommen durch Landesbergen, ein Dörfchen in dem wir schon auf der Radtour vom letzten Jahr eine Nacht verbracht haben.

Mittags decken wir uns in einem Edeka mit Essen und Bier ein, um später ein Picknick machen zu können. In einem Park in Nienburg setzten wir uns auf eine Bank und genießen unser Leben. Rustikales Baguette Brot vom Bäcker, getrocknete Tomaten, ein halbes Glas Kichererbsen, Karotten. Hört sich simpel an, aber es war wirklich gut. Die Männer genehmigen sich ihr Dosenbier und – was soll man sagen – bei dem Wetter knallt das natürlich. Die Weiterfahrt war dann ziemlich lustig. Aber beim fahren baut der Stoffwechsel das Bier auch schnell wieder ab.

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Irgendwann kristallisiert sich als unser Tagesziel die Stadt Verden heraus. Dort haben wir auf der letzten Tour auch schon in der Jugendherberge geschlafen. Doch durch die Hitze werden die letzten Kilometer auf dem Fahrrad nochmal zur ziemlichen Herausforderung. Weniger für mich als für die Anderen, denn seit ich überm Berg bin fühle ich mich in der Topform meines Lebens und sprühe vor guter Laune. Am Nachmittag sitzen wir, nachdem wir ausgetrocknet über den Wassernachschub hergefallen sind, auf einem Edeka-Parkplatz herum und beobachten wie die Leute bei gutem Wetter in Stress verfallen. Wir sind glücklich, außerhalb, frei von allem, zumindest für den Moment.

Nur die Abschiedsstimmung schleicht sich so langsam ein, denn wir sind uns aus Zeitgründen noch nicht sicher, ob wir den Sonntag noch mit dem Fahrrad fahren wollen. In Verden angekommen reservieren wir als erstes einen Tisch bei dem selben Italiener, wo wir auch auf der letzen Tour gegessen haben und fahren dann weiter zur Jugendherberge. Frisch geduscht genehmigen wir uns am letzten Abend draußen sitzend die wohlverdiente Abschlusspizza.

 

Sonntag, 26. Mai

Für die beiden Kollegen stand eigentlich gestern schon fest, dass sie aus Verden den letzten Rest nicht mit dem Fahrrad, sondern mit der Bahn nach Hause fahren wollen. Doch mein Papa und ich haben uns spontan entschlossen bis ganz nach Hause zu radeln. Also steht am Sonntag noch eine Etappe zu zweit an. Die Herausforderung ist die Orientierung, da wir beide bisher einfach hinter den Organisatoren her gefahren sind. Wir haben nur sehr wenig Datenvolumen und keine Karten oder Navi dabei. Mit Hilfe netter Leute kommen wir dann aber doch relativ schnell aus der Stadt raus.

Am letzten Tag fahren wir dann auch noch mal ca. 80 Kilometer. Einen kleinen Zwischenstopp machen wir in Zeven, dort haben wir sogar Verwandte wohnen, sind also gefühlt so gut wie zu hause. Die letzten 20 Kilometer fliege ich fast über die Straße, soviel Energie wird in mir frei. Da merkt man erst, dass die Reserven des Körpers eigentlich noch ewig weiter halten könnten. Als wir zuhause ankommen, bin ich zwar glücklich, aber auch echt traurig dass es vorbei ist.

 

Kleines Fazit der Fahrrad-Tour

Insgesamt etwa 500 Kilometer auf dem Sattel liegen hinter uns. Wenn mein Alltag es zuließe, würde ich am liebsten den ganzen Sommer lang mit dem Fahrrad durchs Land fahren. Wer weiß, vielleicht mache ich das irgendwann auch. So ein bedingungsloses und einfaches Glück fühle ich sonst nirgends, egal was ich sonst mache. Es wird auf jeden Fall nicht die letzte große Fahrrad-Tour gewesen sein.

Love, Julia

 

Hast du die ersten Teile verpasst?

Tag 1 & 2: https://postvonjulia.de/log-in-500-km-in-6-tagen

Tag 3 & 4: https://postvonjulia.de/tag-3-4-des-radtour-tagebuchs

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