Tot Wach

Tot Wach

Dear you,

Ich habe einen Film gesehen, der den Durchbruch eines Gedankens bewirkt hat, der schon lange in mir wächst. Auf den ersten Blick und wenn ich eine Schularbeit darüber schreiben müsste, würde ich meine Erkenntnis nicht als Kernaussage des Filmes beschreiben. Ich weiß nicht warum diese Reaktion in mir hervorgerufen wurde. Meine Empfehlung ist ansehen.

Wach – der YouTube Film

Wach. Das ist der Titel eines kostenlos verfügbaren YouTube Films. Er hat  mich durch seine moderne Drehmethoden überrascht und überzeugt. Inhaltlich geht es darum, dass zwei Teenager so lange nicht schlafen wollen wie möglich. Ohne Drogen. Doch die Bilder offenbaren mehr als nur den Handlungsplot. Sie zeigen eine wilde, freie, kreative und selbstbewusste Perspektive von Berlin. Dies sind die positiven Assoziationen. Die Schattenseiten sind Ghetto, Plattenbau und graues, unpersönliches Großstadtleben.

Plot

In diesem Labyrinth aus Möglichkeiten verirren sich zwei minderjährige Mädchen, voll integriert in ihre Generation; Generation Y (oder schon Z?). Sie haben ein Problem, welches viele auf Instagram zu bekämpfen versuchen, Selbstzweifel, NICHT.

Vielleicht ist das genau der Knackpunkt. Sie haben Fehler, sind frei, ihnen ist es egal ob sie auffallen. Sie WOLLEN auffallen. Sie sind leichtsinnig und leben gefährlich, risikoreich, grenzenlos, durchaus naiv. Sie zeigen Gefühle und sind oft skrupellos, aber nicht völlig wertbefreit. Entgegen der Vorurteile sind sie hilfsbereit und zu tiefen, loyalen Freundschaften fähig, die nur entstehen, wenn man gemeinsam durch Scheißzeiten gegangen ist. Sie haben Träume und Ziele, aber nicht den Willen dafür durch die von der Gesellschaft bestimmten Stadien zu gehen. Weil sie glauben, dass ihre Gefühle vom Zeitgeist betäubt werden, rebellieren sie mit einem selbstzerstörerischen Lebensstil, der letztlich in diesem Experiment am eigenen Körper mündet und sie an die Grenzen ihrer Jugend führt.

Wach hat mich so gefesselt und inspiriert, dass ich ein bisschen hinterher recherchiert habe. Dabei bin ich auf die Musik einer der Hauptdarstellerinnen, Alli Neumann und den YouTube Kanal Luna F. Darko gestoßen. Und dann war ein Punkt erreicht, an dem mir einiges klar geworden ist. 

Wo bin ich?

Ich bin ein kreativer Kopf. Was sich erstmal vielleicht ganz schön anhört,  hat mir aber bis jetzt schon viel Gegenwind in meinem Leben eingehandelt. Ich war und bin nicht wie die anderen, ich bin nicht normal. Unnormal sozusagen. Anders. Verrückt. Seltsam. Außenseiter. Einzelgänger. Deshalb habe ich versucht mich anzupassen und jahrelang eine Person gespielt, die ich nicht bin. Dazu musste ich mich von meiner Essenz, meinem inneren Ich, distanzieren. Das hat mich zu einem sehr verschlossenen, unglücklichen und misstrauischem Menschen werden lassen. Schon lange Zeit musste ich darum kämpfen mein altes Ich, wie ich es zum Beispiel im Grundschulalter in Erinnerung habe, wieder zu finden. Unsicher ob es überhaupt noch irgendwo existiert. Sosehr habe ich meine Wahrheit verdrängt, dass ich das Gefühl hatte nicht zu wissen wer ich bin. Womit wir auch schon am entscheidendem Punkt angekommen sind.

Wahrheit

Bisher bin ich Streit, Diskussionen, sogar schon der puren Wahrnehmung anderer Menschen meines Seins im realen Leben aus dem Weg gegangen. Ich habe Menschen nie meine Wahrheit mitgeteilt, aus Angst ihre Kritik könnte mich verletzen. Mein Verhalten sollte sein, wie ich glaubte, dass es normal ist. All zu oft, tausende Male, habe ich dafür Gedanken nicht ausformuliert, Protest runter geschluckt, gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Und dabei alle inneren Bedürfnisse kontinuierlich ignoriert.

Allein die Fassade war wichtig. Mein ganzes Verhalten, alles was nach außen hin sichtbar war, hat einzig und allein darauf abgespielt eine coole und emotional unantastbare Wall zu errichten. Nichts davon war absichtlich, sondern ein emotionaler, unterbewusster Schutzmechanismus meiner Psyche. Jedes der wenigen Wörter, die noch aus meinem Mund kamen, war vorher in meinem Kopf in verschiedensten Varianten und Szenarien gegengecheckt worden, ob es auch wirklich richtig  ist. Ein riesiger Perfektionsanspruch, ausgelöst durch Angst und Selbstzweifel. Freiheit gleich null.

Distanz

Ein Gedanke hat mir eine völlig neue Perspektive eröffnet: Nur wenn man seine innere Wahrheit, in all ihrer Fehlerhaftigkeit und genauso Schönheit, nach außen trägt, bekommt man ein Feedback vom Außen, dass einem hilft zu wachsen. Und nur wenn man auch das Bild, dass andere Menschen von einem haben, zulässt und akzeptiert, kann man es mit dem eigenem Selbstbild vereinen und so erkennen wer man wirklich ist. Diese Gedanken stammen aus diesen zwei Videos und ich kann wirklich nur sehr dringend zum Ansehen raten, wenn du selbst irgendeine Resonanz mit diesem Thema spürst. Aus tiefstem Herzen: Danke Luna.

Part 1

Part 2

Hoffentlich konnte rüber bringen, was gerade für ein krasser Wandel in meiner Einstellung passiert ist und prozesshaft weiterhin passiert. So viele Jahre hatte ich das Gefühl mich selbst verloren zu haben. Jetzt hab ich mich wieder. Ich darf alles machen, was mir in den Kopf kommt, ich bin frei. Ich bin wieder wach.

In deep, deep love,

Julia

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