Unschubladisierbar – Ich und der Minimalismus

Über Trends, Labels und Marie Kondo.

Dear you,

Macht es das Leben einfacher, weniger zu besitzen? Und ab wann bin ich Minimalistin oder Minimalist? Ist dieses Label überhaupt sinnvoll und ist es mehr als ein vorüberziehender Trend? Diese Gedanken habe ich mir gemacht, denn ich glaube, Minimalismus ist etwas, aus dem man viel Inspiration ziehen kann. Egal ob man sich so bezeichnet oder nicht.

Leichtes Gepäck dank Minimalismus?

Ich weiß noch ganz genau, wie ich, als ich von zuhause ausgezogen bin (um das studieren zu lernen), ziemlich ziemlich viel Kram aussortiert habe. Das hatte einerseits praktische Gründe, denn ein Umzug mit zehn Kisten statt mit zwanzig ist natürlich um einiges einfacher. Andererseits hatte ich auch einfach Bock drauf. Nur noch Dinge zu besitzen, die man bewusst ausgewählt hat, bringt ein großes Gefühl von Freiheit bzw. Befreiung mit sich. Außerdem ist es übersichtlicher und automatisch ordentlicher, also einfacher wenig Dinge zu besitzen. Von Marie Kondo und ihren Ausmistaktionen hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nie was gehört.

Die Konsumfalle

Aussortieren und reduzieren ist aber nur der Anfang und der macht oft mehr Spaß als das was danach kommt. Der nächste Schritt ist nämlich eine Umgewöhnung und davon sind die meisten Menschen eher weniger begeistert. Denn hat man seine Bestände einmal reduziert, sei es nun Kleidung, Make up, Kuscheltiere oder Dokumente, geht es nun darum nichts Neues mehr anzuhäufen. Und das ist dann der Moment wo man im Laden vor dem Regal steht und dem inneren Drang widerstehen muss, der Konsumfalle zu verfallen. Konsumfalle nenne ich das Bedürfnis etwas zu konsumieren, nicht um es zu nutzen, sondern nur um es zu konsumieren. Dann hat sich der Zweck dieses Dings nämlich erfüllt, gleich nachdem du zuhause angekommen bist und das Preisschild abgeschnitten hast. Das geht übrigens auch mit nicht materiellen Dingen – Serien und Instagram Stories zum Beispiel. Und es kostet eine Menge Ressourcen für oberflächliche Befriedigung – keine sehr nachhaltige Konzeption. Denn auf den einen folgt der nächste Kauf. Und der nächste. Und der nächste…

Was bin ich?

Bei welchen Dingen hast du das Gefühl abhängig oder nicht mehr selbstbestimmt zu sein? Mit welchen Maßnahmen willst du es reduzieren?

Aber muss man sich gleich als Minimalist oder Minimalistin outen, nur weil man diesem Kreislauf plötzlich wahrnimmt? Oder versucht zu durchbrechen? Als ich mein Konsumverhalten änderte, tat ich das um mehr Selbstbestimmtheit und Nachhaltigkeit in mein Leben zu integrieren. Mein verändertes Mindset war treibender Motor. Dass ich damit irgendwie minimalistisch wurde, oder vielleicht auch nicht, war mir gar nicht bewusst.

Sorry no money

Aber es fehlte mir an Worten um gegenüber meinem unveränderten sozialen Umfeld auszudrücken, wer oder wie ich nun war. Denn ab wann darf/ muss ich mich zum Minimalismus bekennen? Das ist eine umstrittene Frage. Wenn man nicht mehr als zehn Kleidungsstücke besitzt? Wenn man alle seine Mascaras weg gegeben hat? Und was ist, wenn man trotz minimalem Besitz alle drei Monate in den Urlaub fliegt und sich die teuersten Friseure gönnt?

Alles Einheitsbrei

Ich könnte jetzt schreiben, das muss jeder für sich selbst festlegen. Aber ist es nicht gerade Sinn eines Labels eine Einheitlichkeit von Merkmalen zu bezeichnen? Für mich sind Labels nützlich, um anderen Leuten schnell ein Bild davon zu geben, was mich bezüglich eines Themas, wie zum Beispiel Ernährung, Sexualität, Besitz, ausmacht. Das ist aber immer ein Risiko, weil sich die Konnotation schnell über dieses eine Thema ausbreitet. Bei Veganismus zum Beispiel denken die einen an nervige Influencer, die anderen an Revolution und Weltrettung, oder so ähnlich. Und beides ist Teil der Realität rund um dieses Label. Aber ist eine Veganer nervig, sind es deshalb nicht alle anderen auch. Ist ein Minimalist eine große Inspiration, sind es deshalb nicht alle anderen genau so. Menschen sind nicht gut in Schubladen zu packen, deshalb sind Labels, wenn man sie zu ernst nimmt, problematisch.

Den eigenen Weg gehen

Ich richte meine Entscheidungen nicht nach einem Label aus, sondern das Label passt auf mich durch meine Entscheidungen. Und diese treffe ich immer noch nach meiner eigenen Fasson. Insofern ist es mir auch egal, ob das Label einem Trend entspricht oder nicht, denn das ist nicht meine Motivation hinter der Sache. Egal ist es mir natürlich nicht, denn umso mehr Menschen ihren Besitz und Konsum bewusst auf das was sie wirklich wollen reduzieren, umso besser ist es für die Umwelt, die unserer aller Lebensgrundlage ausmacht.

Leben ohne Küche und Klo

Für mehr Eindrücke empfehle ich dir diese Funk Dokumentation:

Ich hoffe dir einen kleinen Anstoß gegeben zu haben. Für dein Denken, für dein Handeln, für dein Fühlen. Wenn ja, nimm diese Energie auf und lasse sie dein Leben verbessern. Du musst ja nicht gleich dem Minimalismus beitreten. Bis zum nächsten Mal.

Love, Julia

Wie die Werbung uns verführen will: https://postvonjulia.de/kritik-an-der-kosmetikindustrie

Natürliche Pflege: https://postvonjulia.de/routine-fuer-die-haut-mit-natuerlichen-produkten

Wie finde ich zu mir?: https://postvonjulia.de/selbstversorgung-und-selbstfindung

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