Unsere Schritte ins Aussteiger Leben – Teil 2

Mit Fotos von: Thorben http://nordwald-media.de/

Welche Schritte sind wir gegangen, um unser altes Leben aufzugeben?

Nachdem wir unseren Aussteiger Hof gefunden hatten, ging der organisatorische Teil los.

Lese den zweiten Teil unserer Vorbereitungen um als Selbstversorger zu leben.

Dear you,

ich lebe nun mittlerweile schon einige Wochen auf einem Selbstversorger Hof im Burgenland. Ein neues Leben, das mir unglaublich viele neue Erfahrungen und Lehren mitgibt. Der Weg dorthin war mit allerhand Aufwand verbunden. Im ersten Teil habe ich dir geschrieben, wie ich über die WWOOF Plattform den Seminarhof Lebenswerkstatt gefunden habe. Heute schreibe ich dir, wie es nach dem ersten Kontakt weiterging. Ich möchte dir damit zeigen, wie ein möglicher Weg raus aus alten Mustern aussehen kann.

Mit der Entscheidung nach außen gehen

Nachdem ich und mein Freund Patrick uns einig waren, dass wir den richtigen Hof für uns gefunden hatten, gingen die wirklich radikalen Schritte los. Wir wollten alles Alte in Deutschland aufgeben. Jobs, Wohnungen, jeglichen überflüssigen Besitz. Mir fiel vor allem die Tatsache schwer, dass ich diese Schritte nicht alle auf einmal gehen konnte. Am liebsten setze ich Dinge, wen die Entscheidung erstmal gefallen ist, sofort in die Tat um. Das ging jedoch in diesem Fall nicht. Es lagen noch mindestens fünf Monate vor uns, in denen wir Stück für Stück, unsere alten Leben auflösen wollten. Ich fing an mit meinem Umfeld darüber zu reden, was wir vor hatten. Erst Familie, Freunde, dann berufliches Umfeld.

Reaktionen aus dem sozialen Umfeld

Ich hatte schon damit gerechnet kritische Stimmen verarbeiten zu müssen. Natürlich, für meine alten Kreise war es ein radikaler Schritt. Und den wollte ich ja auch genau so haben. Ich glaube auch, viele haben mich gar nicht wirklich ernst genommen. Und dann kam aber auch viel unerwartete Unterstützung, sei es moralisch oder tatkräftig. Meine Chefin im Bioladen und ehemalige Vermieterin hat mir kostenlosen Unterstellplatz für ein paar Dinge gegeben, die ich behalten wollte. Patricks Papa war ein richtiger Schatz. Als wir ihm von der Entscheidung nach Österreich zu gehen erzählten, waren wir ein bisschen nervös. Die Reaktion war Begeisterung. Daraufhin hat er uns bei so vielen Steinen geholfen, die uns im Weg lagen. Sei es Patricks Auszug aus seiner Wohnung, uns mit dem Auto hin und her zu fahren oder gute Ratschläge bei dem ganzen trockenen Zeug wie Finanzen.

Der ganze Erwachsenen Kram

Ich habe mich innerlich viel mit den Fragen rund um den ganzen bürokratischen Kram rumgeschlagen. Jetzt im Nachhinein kommt mir das weit weit weg vor. Um in Österreich an mein Geld zu kommen, habe ich mir ein Konto mit kostenloser Kreditkarte angelegt. Ich habe eins meiner alten Konten geschlossen und das andere vorerst nur behalten, um dort Geld zu parken, das wegen meines Bafög Kredites noch zurück zahlen will. Dann musste ich rausfinden, wie das mit Krankenversicherung ist, wenn man nicht mehr angestellt ist. Meine Krankenkasse hat mir da nicht wirklich geholfen. Nach eigener Internetrecherche haben Patrick und ich uns entschieden, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, die uns bezahlbar vorkam und eine Grundsicherheit vermittelt. Ob sie wirklich hilfreich ist, wird sich erst im Ernstfall herausstellen. Da aber Versicherungspflicht besteht, brauchte ich in jedem Fall einen Nachweis, um aus meiner alten Kasse auszusteigen. Die Beiträge wären ohne Einkommen zu hoch gewesen.

Büro vs. Selbstversorger Garten

Sehr froh war ich mit meiner beruflichen Situation zu dem Zeitpunkt nicht. In der Aussicht, bald erstmal keinen Cent mehr zu verdienen, wollte ich bis dahin durch hustlen und habe zwei Jobs auf einmal gemacht. Ich habe zeitweise jeden Tag der Woche gearbeitet. Noch dazu war einer der Jobs eine unbefriedigende Bürotätigkeit, die mich sehr frustriert hat und die ich aber unbedingt irgendwie meistern wollte. Im Kontrast dazu bin ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt so erfüllt und glücklich einfach mit beiden Händen in der Erde wühlen zu können. Das Aussteiger Leben ist voller Unsicherheiten und neuen Chancen.

Das Leben als Aussteiger erfordert körperliche Arbeit die befriedigt.

Unkraut vergeht nicht

Und gibt es eigentlich auch gar nicht. Jedes Kraut hat seine Berechtigung. Jedenfalls, als schon fast alles in trockenen Tüchern zu sein schien, kam aus dem fernen Osten ein Virus, der das soziale Leben hier komplett auf den Kopf stellte. Wie das war, habe ich dir in anderen Blogposts schon berichtet. Wir wussten bis zu dem Zeitpunkt, wo wir in Passau die Grenze überquerten, nicht, ob wir wirklich einreisen können würden. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass alle alten Strukturen weg sind, ist das ein ziemlich angespanntes Gefühl.

Unkraut vergeht nicht.

Ich weiß noch, wie wir auf Patricks Balkon saßen. Die Wohnung, die in wenigen Tagen übergeben werden sollte, immer noch voller Müll und Kram. Und immer wieder die Website des auswärtigen Amtes aktualisiert haben, um aus ein paar unkonkreten Sätzen zu interpretieren, ob unsere Pläne aufgehen würden oder nicht. Letztlich hat wirklich niemand auch nur einen Blick auf unsere ärztlichen Atests geworfen. Wir standen vielleicht fünf Minuten am Bahnhof und es ist wirklich gar nichts passiert. Kein Fieberthermometer, nicht mal eine Passkontrolle. Unser Aussteiger Leben lag vor uns.

Ja und jetzt sind wir angekommen. Im grünen Paradies. Jeder Aufwand hat sich gelohnt und fühlt sich gleichzeitig so übertrieben an. Krankenversicherung? Braucht kein Mensch. Geld? Nur bedrucktes Papier. Hier lerne ich, was wirklich wichtig ist. Hier habe ich dir von meinen ersten Tagen als Selbstversorgerin berichtet. Für aktuelle Fotos unseres Aussteiger Lebens, kannst du mir gerne auf Instagram folgen oder regelmäßig auf Post von Julia vorbei lesen. Ich freue mich auf deine Gedanken in den Kommentaren.

Love, Julia

WEITERLESEN

Den ersten Teil kannst du hier lesen: https://postvonjulia.de/schritte-ins-aussteiger-leben-teil-1

So waren die ersten Tage: https://postvonjulia.de/wir-sind-jetzt-selbstversorger

Podcasts für zuhause: https://postvonjulia.de/podcast-favoriten-quarantaene-special

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