Wie ist es in Österreich?

Kulturschock oder Wunsch-Heimat in Klagenfurt?

Dear you,

im letzten Life-Update habe ich dir mitten in den Vorbereitungen und voller Vorfreude davon geschrieben, dass ich bald ein Auslandssemester starten würde – in Klagenfurt am Wörthersee, Österreich. Nun bin ich schon einige Wochen hier und habe einen richtigen Gefühlsboost erlebt. So viele Eindrücke, so viele Erlebnisse, so viele neue Menschen. Ich bin echt richtig happy hier, auch wenn durchaus nicht immer alles so geklappt hat, wie es geplant war. Der Grund dafür ist glaube ich, dass ich mir selbst dabei zuschauen kann, wie ich Situationen meistere, denen ich mich nicht unbedingt gewachsen gefühlt hätte. Und dass pusht mein Selbstbewusstsein und das Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten ungemein. Da wo vor weniger als einem halben Jahr noch Zweifel und lieber-in-der-comfort-zone-bleiben-Gefühle waren, sind nun coole Gelassenheit und das Gefühl irgendwie schon mit allem fertig zu werden, egal was sich das Leben wieder nettes an Herausforderungen einfallen lässt. Tatsächlich habe ich richtig ein Bisschen Gefallen in diesen Herausforderungen gefunden… Ich bin richtig im Flow und genieße dieses Gefühl in vollen Zügen, denn ich weiß auch: Nichts ist für immer, alles ist ein auf und ab.

 

Herausforderungen der ersten Stunde

Die erste Zeit in Österreich werde ich wohl niemals vergessen. Bereits in der Nacht vor der Abreise hatte ich fiese Halsschmerzen. Sie waren die Ankündigung einer echt ekligen Erkältung, die mich auf der fast 15 Stunden Zugfahrt (Lüneburg – Darmstadt – Klagenfurt) und in den nächsten Tagen begleiten sollte. Husten, Rotz und Schnupfen, alles was dazu gehört. Man bedenke: Ich bin sonst nie erkältet, daher bin ich mir ziemlich sicher, dass der ganze Dreck auch eine psycho-somatische Grundlage hatte.

Wie dem auch sei, die Zugfahrt mit Brummschädel war anfangs okay, wurde dann aber  immer mehr zur Belastungsprobe. Um 23 Uhr irgendwas war ich dann am Bahnhof und musste dann noch mit Tonnen an Gepäck und meinem Bike zum Studentenwohnheim laufen. Der erste Eindruck meines Zimmers war für mich ziemlich verstörend ehrlich gesagt. Aber das kenne ich schon von mir, ich muss mich immer erst etwas einleben, bevor ich mich frei bewegen kann.

Die nächsten Hürden waren dann, um es kurz zu fassen, dass das Paket mit dem Großteil meiner Sachen, welches  meine Eltern mir hinterher schicken sollten, mich nicht gefunden hat und daher wieder nach Deutschland zurück geliefert wurde. Ich habe also bis jetzt mit einer sehr sehr minimalistischen Garderobe gehaushaltet (ein Glück hatte ich meine Unterwäsche im Koffer haha). Nächster Punkt war das Geld. Im Gegensatz zur Beratung meiner Bank vor der Abreise konnte ich hier nicht auf meine Konten zugreifen. Somit hatte ich nur das Bargeld zur Verfügung, dass ich für den Notfall zuletzt in Deutschland abgehoben hatte. Und dies musste reichen, um mich die ersten Wochen zu ernähren, bis das mit der Bank alles geklärt war. Puh! Ich könnte hier noch einiges mehr mit dir teilen, aber das waren erstmal die größten Hämmer, die gleich am Anfang auf mich warteten.

Land und Leute

Gleich in den ersten Tagen bin bei strahlendem Sonnenschein mit dem Rad um den Wörthersee gefahren (ca. 45 km). Beim ersten Mal sehr spontan und ungeplant, beim zweiten Mal ganz bewusst. Der See ist wirklich paradiesisch-schön : Glasklares, leicht türkises Wasser, viele Fische, Segelboote am Horizont, umrahmt von Bergen und Tannenwäldern. Die Gegend ist sehr touristisch. Es gibt viele Hotels, Shops, viel Gastronomie und vor allem viele Menschen (zumindest in dieser Jahreszeit).

Zwar wundern sich die Klagenfurter/ -innen immer darüber, aber für mich ist dies die größte Stadt, in der ich bis jetzt gewohnt habe. Klagenfurt macht auf mich den Eindruck, die wirklich wunderschöne Natur um sich herum zu verdrängen. An meinen bisherigen Wohnorten konnte ich mehr oder weniger vor die Haustür treten und war direkt in der Natur, wo ich alleine sein konnte, es frische Luft gab und ich Stress, Kummer, oder auch Euphorie in langen Spaziergängen abgebaut habe. Hier gibt es überall viel Verkehr und Abgase. Mehr Müll liegt herum. Das höchste der Gefühle sind Stadtparks. An dieses „Stadtleben“ muss ich mich nach wie vor noch gewöhnen. Wenn es natürlich auch einige Vorteile mit sich bringt, bin ich einfach ein Landkind durch und durch.

Ein größerer „Kulturschock“ als erwartet waren auch die Menschen. Es herrscht schon eine spürbar andere Mentalität, auch wenn Österreich vergleichsweise nicht wahnsinnig weit von meiner Heimat entfernt ist. Für mich, als Reise-Newbie, war das eine ganz neue Erfahrung. Zum Beispiel der Dialekt ist schon eine Hürde. Manche Menschen verstehe ich sehr gut, bei anderen muss ich mich stark konzentrieren um wenigstens die Hauptaussage aufzuschnappen. Aber auch, dass ich selbst Ausländerin bin und meine eigene Ausdrucksweise als fremd wahrgenommen wird, war etwas ganz neues und interessantes für mich. Man lernt seine eigene Identität aus einem anderen Blickwinkel kennen und wird sich seiner selbst bewusst.

 

Studieren

Am 01. Oktober hat das Wintersemester offiziell begonnen. Besonders die Einführungswoche war mehr von Partys, Alkohol und Menschen kennen lernen bestimmt, als von studieren. Dazu muss ich anmerken, dass die Auswahl an Bars hier zwar nicht klein, aber das Nachtleben in Klagenfurt doch etwas mau ist. Besonders Clubs wo man zu guter Musik tanzen kann sind sogar im viel kleineren Lüneburg besser vertreten als hier. Ich hatte trotzdem viel Spaß in der ersten Zeit – und das obwohl mir Leute kennen zu lernen gar nicht so leicht fällt. Da musste ich mir in vielen Situationen einfach nen Arschtritt verpassen. Tinder ist übrigens auch bestens geeignet um einfach nur mal mit neuen Menschen in Kontakt zu treten, nur sollte man dann gleich klar stellen, dass man nicht auf richtige Dates aus ist.

Was das eigentliche Lernen angeht kann ich noch keine großen Aussagen machen. Es gibt natürlich immer einige organisatorische Unterschiede von Uni zu Uni. Hier ist es zum Beispiel so, dass einige Klausuren online stattfinden, was ich von der leuphana in Lüneburg noch nicht kannte. Die Lehrveranstaltungen haben gerade erst angefangen und ich bin bisher ganz zufrieden, auch wenn ich noch nicht alle Vorgänge ganz durchblicke.

Leben in Österreich

Zu diesem Punkt gehört für mich einerseits Food, andererseits Wohnen und Alltägliches. Ich glaube ich mache noch mal einen eigenen Blogpost zum Thema vegan essen (gehen) in Österreich/ im Auslandssemester. Schreib mir doch gerne in die Kommentare, wenn dich das interessiert. Da würde ich dann zum Beispiel meine Einkaufs- und Restaurant-Tipps an dich weiter geben und auch wie man mit begrenzten Mitteln (ich habe hier nicht mal einen Backofen) trotzdem lecker kochen kann.

Womit wir auch schon beim Thema wohnen sind. Ich habe mir hier ja ein Einzelzimmer mit Kochniesche in einem Studentenwohnheim gemietet. Das war schon eine Umstellung, von der eigenen Wohnung zu diesem wesentlich kleineren Raum mit Mini-Bad. Aber mittlerweile habe ich mich eingelebt und fühle mich ziemlich wohl hier. Das einzige was weh tut sind die Preise … die hauen hier doch ziemlich rein (für mein Empfinden). Mein Fahrrad mit hierher zu nehmen war übrigens eine gute Idee, so war ich von Anfang an sehr mobil und nicht auf das Bussystem angewiesen.

So. Zum ein oder anderem Punkt kann ich gerne noch vertiefende Blogposts schreiben, wenn du es dir wünschen würdest. Hinterlasse mir also gerne dein Feedback und frag mich was immer du von mir wissen willst (du kannst mir auch eine Email oder eine Instagram-Nachricht schreiben). Aber damit die Post heute nicht zu lang wird, schließe ich für heute. Ich hoffe du hattest viel Spaß beim lesen.

Love, Julia

 

Warum mir Natur so wichtig ist: https://postvonjulia.de/der-schatz-der-natur

Mein letzter Log in Post: https://postvonjulia.de/es-geht-ins-ausland

Fahrradliebe: https://postvonjulia.de/log-in-500-km-in-6-tagen

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