Wozu Bio kaufen?

Erfahrungen mit und Gründe für Bio

In meinem vorletzten Blogartikel über die Fachmesse BioNord 2017 habe ich einige Eindrücke der BioNord mit dir geteilt: Eine Messe auf der sich, wie der Name schon sagt, ausschließlich Bio-Marken vor- und ausgestellt haben. Daran anknüpfend erzähle ich dir heute, warum ich Bio kaufe, warum nicht und welche Erfahrungen ich gemacht habe. Ich nenne dir vier Gründe, warum ich glaube dass Bio-Qualität eine Sache ist, die man nach Kräften unterstützen sollte und teile einige Ideen mit dir, worauf du beim Einkaufen achten kannst, wenn dir die Auswirkungen deines Konsums nicht egal sind. 

 

Eine ganz neue Welt

Ich fange mal an mit meinen eigenen Erfahrungen. Meine Eltern waren absolut keine Bio-Käufer, was ich sehr schade fand. Sie kauften normalerweise in Discountern ein: Möglichst viel, möglichst günstig. Nicht, weil sie es sich nicht hätten leisten können, sondern weil sie mehr Priorität auf andere Dinge setzten. Als Kind habe ich das noch nicht hinterfragt, erst als ich anfing mir im Teenageralter über gesunde Ernährung Gedanken zu machen, bin ich auch immer mehr mit dem Thema nachhaltigem Konsum in Berührung gekommen. Mein erster Besuch in einem Bio-Laden war ein prägendes Erlebnis für mich, denn der Umgang mit Menschen und Lebensmitteln ist hier ein völlig anderer. Mit meinem Umzug in die erste eigene Wohnung, hatte ich dann auch die Möglichkeit und die Verantwortung meine Einkäufe selbst zu bestimmen: Wofür ich mein Geld ausgebe, was ich unterstützen möchte und was auf keinen Fall. Damals war ich bereits vegan geworden. Als ich noch bei meinen Eltern lebte, musste ich meine „Extras“ selbst bezahlen, was ich voll jugendlichem Trotz auch tat. In meinem eigenem Haushalt selbst bestimmen zu können war für mich eine große Erleichterung. Bald darauf fing ich an außerdem in einem Bio-Laden zu jobben, was ich bis heute tue. Ich war eh auf der Suche nach einem Nebenjob und so konnte ich die Branche neben meinen Kaufverhalten auch durch meine Arbeit unterstützen – zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.

 

 

Was bedeutet Bio eigentlich?

Du fragst dich vielleicht warum es mir so wichtig war Bio zu kaufen. Vielleicht hast du dich mit Bio auch noch gar nicht beschäftigt, bist mit dem Thema bislang kaum in Berührung gekommen. Falls das so ist, kannst du nun erfahren was „Bio“ eigentlich wirklich bedeutet.

 

 

Die Rohstoffe für Bio-Produkte stammen aus ökologischem Anbau, aber Bio-Qualität bedeutet nicht immer das selbe. Bestimmt hast du sogar in verschiedenen Discountern schon mal Bio-Artikel gesehen und auch viele normale Supermärkte führen ein Bio-Sortiment. Dann gibt es natürlich noch einzelne Bio-Läden, Bio-Händler und mittlerweile habe sich auch Ketten wie denn´s Biomarkt etabliert. Wie du siehst: Die Auswahl ist schon ziemlich groß. Doch leider (oder zum Glück) ist die Qualität nicht immer die selbe. Ich achte beim Kauf verstärkt auf Marken und Siegel wie zum Beispiel das europäische Bio-Siegel oder Anbauverbände wie Bioland und demeter, die in ihren Richtlinien meist noch viel strenger sind. Weil es mir wichtig ist, was und wen ich mit meinem Kauf unterstütze, nehme ich mir auch die Zeit mich in Philosophien und Grundsätze von Marken einzulesen. Ich kann dir als schnelle Übersicht den Wikipedia-Eintrag „Bio-Siegel“ empfehlen. Generell kann man allerdings eines sagen: Bio, egal von wo, ist normalerweise eine bessere Entscheidung als konventionell. Die verschiedenen Aspekte zeige ich dir nun.

 

Gründe für Bio

  1. Umwelt

Ich habe dir ja schon in meinem Blogartikel „Der Schatz der Natur“ erzählt, wie wichtig mir die Erde, unser Lebensraum, ist. Selbstverständlich müssen wir sie respektvoll behandeln und das vor allem auch in unserem normalen Alltag. Viele Bio-Läden bieten die Möglichkeit plastiksparend einzukaufen, zum Beispiel indem sie Papiertüten für frisches Obst und Gemüse anbieten. Außerdem kommen viele Lieferanten von Bio-Läden aus der Region und das Sortiment passt sich stärker an die Saison an, wodurch weniger Schadstoffe produziert und weniger Energie verbraucht wird. Von seiten der Hersteller werden Bio-Produkte mit mehr Rücksicht auf die Auswirkungen in der Natur produziert. Dafür sind verschieden strenge Maßnahmen und Kriterien festgelegt worden. So verbietet das EU-Bio-Siegel synthetische Pflanzenschutzmittel und fordert eine abwechlungsreiche Fruchtfolge beim Anbau, um die Böden nicht zu stark auszulaugen. Deutsche Anbauverbände verfolgen dieses Ziel noch wesentlich tiefer. Hier sind zum Beispiel auch verschiedene natürliche Dünger- und Pflanzenschutzmittel verboten, die ich als Veganerin nicht gerne sehe, unter anderem Blut- und  Knochenmehl. 

 

 

       2. Tiere

Womit wir auch schon beim zweiten Punkt sind: Tieren gegenüber wird mehr Recht auf ihr natürliches Verhalten zugesprochen und sie werden weniger wie bloße Maschine behandelt. Zwar lehne ich die wirtschaftliche Haltung von Tieren vollständig ab, bin aber über jede kleine Verbesserung in der Tierhaltung froh. Leider ist das Mästen von Tieren auch in Bio-Ställen erlaubt. Das EU-Siegel erfüllt insgesamt viele wichtige Kriterien nicht sonderlich gut. Konventionelles Futter und Enthornung ist erlaubt, die Tiere haben immer noch kaum Platz (0,8 bis 1,2 m² Innenstallfläche bei Schweinen) und ihre Transporte dürfen bis zu 6 Stunden am Stück andauern. Auch hier sind Anbauverbände strenger und somit die bessere Alternative im Bezug auf das Wohl der Tiere.

        3. Gesundheit

Nicht nur die Tiere sind gesünder, sondern auch Menschen die sich biologisch ernähren haben einige gesundheitliche Vorteile. Farbstoffe, Geschmacksverstärker und künstliche Aromen sind in Produkten mit EU-Bio-Siegel vollständig verboten. Bioland und demeter streichen auch Nitritpökelsalz und Carrageen von der Zutatenliste. Außerdem wird Gentechnik abgelehnt und durch kontrollierten Anbau und Tierhaltung werden auch Pflanzenschutzmittel- bzw. Antibiotikarückstände in den Lebensmitteln vermieden. Ich persönlich muss auch ehrlich sagen: Bio schmeckt ganz anders und meistens besser als konventionelle Lebensmittel. Das gilt vor allem für frisches Gemüse und Obst. Die Züchtung auf gutes Aussehen, Robustheit und Transportfähigkeit geht bei vielen normale Sorten auf Kosten des Geschmacks, was dann in der Küche mit viel Salz, Zucker oder Fett kompensiert werden muss.

 

       

 

             4. Zukunft

Ausnutzung von Natur und Umwelt scheint auf den ersten Blick vielleicht billiger zu sein als nachhaltiger Anbau, in Wirklichkeit reichen wir diese Kosten jedoch an andere Menschen weiter. Zukünftige Generationen werden um ein funktionsfähiges Ökosystem beraubt, wenn wir weiter so tun, als hätte unser grenzenloser Verbrauch keine Auswirkungen. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung und viele Kunden, Händler und besonders Hersteller zeigen, dass sie bereit sind umzudenken. Bio-Qualität muss Standard werden, wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine Erde überreichen wollen, die ihnen die selben Möglichkeiten bietet, wie sie uns selbst geboten wurde.

 

 

Eine Lebenseinstellung

Diese Richtlinien des ökologischen Anbaus können meiner Meinung nach nicht vollständig zeigen, was Bio wirklich bedeutet. Ich könnte an dieser Stelle noch viele weitere Argumente für Bio aufzählen, zum Beispiel die bessere Bezahlung der Landwirte und Milchbauern oder die viel freundlichere Atmosphäre in Bio-Läden (wenn ich an den Stress an der Aldi-Kasse denke). Bio ist ein Statement gegen die ausbeuterische Wirtschaft, gegen eine Konsumkultur des endlosen Verbrauchs und gegen die Arroganz des Menschen gegenüber den Gesetzen der Natur. Es ist eine Möglichkeit sein Leben nachhaltiger zu gestalten und Respekt auszudrücken, vor Umwelt, Mensch und Tier. Und es ist ein Zeichen der Hoffnung für alle, die das rücksichtslose Verhalten besonders westlicher Gesellschaften als großes Problem der Menschheit betrachten und besonders derer, die darunter leiden müssen.

 

 

Achtsamer Konsum und Balance 

Ich selbst kaufe mittlerweile fast, aber nicht ausschließlich Bio-Qualität. Jedoch bin ich bei jeder Kaufentscheidung, sei sie noch so klein, achtsam. Ich achte darauf welchen Nutzen mir das Produkt bringt (auch auf längere Sicht), wie es verpackt ist bzw. was es für Müll produziert und auf die Erzeugung generell. Man kann dabei leicht vergessen, dass nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kosmetik, Pflegeprodukte und Reinigungsmittel bis hin zu Kleidung und technischen Gebrauchsgegenständen, alles was irgendwie produziert wird, Auswirkungen hat. Gleichzeitig ist natürlich ein normales Leben heute komplett auf Selbstversorgerbasis nicht möglich. Doch jeder hat Möglichkeiten und auch kleine Schritte in die richtige Richtung sind bedeutsam und wichtig. Es kommt nicht auf Perfektion an, sondern auf Balance im Umgang mit der Verantwortung bei Konsumieren. 

Bist du schon lange Bio-Fan, oder vielleicht sogar ein Gegner und aus welchen Gründen? Das interessiert mich wirklich sehr, also hinterlasse mir deine Meinung. Wie immer hoffe ich dich inspiriert und unterhalten zu haben, auch bei einem ernsterem Thema wie diesem. Wenn du neue Gedanken gefunden hast, teile sie gerne mit mir und den anderen Lesern in den Kommentaren. Ich wünsche dir von Herzen eine tolle Zeit, tue was du liebst und bis zum nächstem Blogartikel.

Love, Julia

 

Meine Erlebnisse auf der BioNord Messe: https://postvonjulia.de/fachmesse-bionord-2017

Lust auf kreatives Zeitmanagement?: https://postvonjulia.de/ein-bullet-journal-beginnen

Mein Liebesbrief an die Natur: https://postvonjulia.de/der-schatz-der-natur

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